Imperia

Porto Maurizio und Oneglia - zwei Städte zwangsvereint

Imperia liefert einem nicht eine Stadt, sondern gleich zwei. Zwei bezaubernde Küstenstädtchen, die in gegenseitiger Abneigung vereint sind. Zwei unterschiedliche Charakter. 

Imperia entstand 1923 durch den Zusammenschluss der beiden Städte Porto Maurizio und Oneglia und ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Veranlasst wurde das durch Benito Mussolini - faschistischer Diktator Italiens und davor kurzzeitig 1907 Volksschullehrer in Oneglia. Namensgeber war der der Fluß Impero an dessen Mündung Oneglia liegt. Jahrhundertelang trennte der Impero Porto Maurizio und Oneglia und auch heute scheinen die beiden Stadtteile nicht richtig zusammengewachsen. In jedem Fall ist Imperia eine lebendig Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. 

An der Flussmündung des Impero wird schon zu römischer Zeit eine Siedlung namens Castrum Uneliae erwähnt, daher auch der spätere Name Oneglia. Im 10. Jahrhundert wurde Oneglia von den Sarazenen zerstört.

Im 11. Jahrhundert wurde Porto Maurizio unter Olderico Manfredi, Herrscher der Marca Turin, und seiner Tochter Adelaide Lehen des Benediktinerordens, der es zu einem bedeutenden Wirtschaftszentrum ausbauten. 1091 übernahmen die Grafen von Clavesana, Erben Adelaide Manfredis, die Herrschaft über Porto Maurizio und proklamierten eine Republik (mit San Maurizio, San Giorgio di Torrazza und San Tommaso di Dolcedo). San Maurizio wurde Schutzheiliger. Genua unterwarf 1184 Porto Maurizio gegen den fortgesetzten Widerstand seiner Bewohner. 

Im Krieg zwischen Porto Maurizio und Oneglia 1200 intervenierte die Republik Genua. Der Impero wurde daraufhin zum Grenzfluss und gehörte fortan zu Porto Maurizio. 1241 wurde Porto Maurizio genuesischer Vikarssitz für die Ponente. Am 30. Januar 1298 verkauften die Bischöfe von Albenga Oneglia für 11.000 Lire an die Genuesen Nicolò und Federico Doria. Im 16. Jahrhundert verbündete sich Porto Maurizio mit Genua dagegen viel Oneglia in die Hände der Savoyer. Im Schutze Genuas entwickelte sich Porto Maurizio zu einer eigenständigen Größe auf dem Meer und trieb sogar einen regen Orienthandel. Oneglia blieb dagegen bodenständig. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren die Einwohner von Porto Maurizio Anhänger der französischen Revolution, während Oneglia keinerlei Sympathien für Frankreich hatte.

Andrea Doria ist einer der berühmtesten Söhne der Stadt Oneglia - 1466 wurde er hier geboren und zugleich bekanntester Vertreter des Genueser Adelsgeschlecht der Doria. Andrea Doria war der Admiral Kaiser Karl V..

Heute putzen sich die beiden großen Ortsteile von Imperia - Porto Maurizio und Oneglia - heraus. In den vergangen Jahren entstand unterhalb von Porto Maurizio eine der größten und modernsten Yachthafenanlagen des Mittelmeers - allerdings nicht fertiggestellt. Hier findet in allen geraden Jahren (2014, 2016, 2018) ein "Concorso d'Eleganza" alter Holzsegelyachten, die Vele d'epoca statt. Im Hafen von Oneglia bieten pittoreske Fischerbote und die romantische Häuserzeile am Hafen eine ideale Kulisse für die Restaurants und die internationalen Megayachten, die sich auch hier immer mehr ein Stelldichein geben. Massentourismus finden Sie in Imperia nicht.

Porto Maurizio

Von Westen zeigt sich Imperia gleich von seiner schönsten Seite. Die mittelalterliche Altstadt von Porto Maurizio, der Parasio, steht dominat auf einem leicht ins Meer vorgelagerten Berg und gibt Porto Maurizio sein markantes, weithin sichtbares Stadtbild. Die Oberstadt dominieren weniger enge Gassen, sondern breite Plätze - eigentlich untypisch für ligurische Städte. Am Meer entlang unterhalb des Parasio führt die ehemalige  Römerstraße Via Aurelia, die die italienische Hauptstadt Rom mit dem französischen Arles verbindet.

Porto Maurizio um wurde vermutlich im 6. Jahrhundert gegründet. Der Hügel wurde langsam von oben nach unten bebaut. Ein wahrer Blickfang des Parasios ist der gotische Palazzo Pagliari. Insgesamt ist der Parasio aber von Wohnhäusern dominiert. Geschäfte gibt es keine, Bars so gut wie keine. Das Leben spielt sich woanders ab. Allerdings bietet der Parasio wundervolle Aussichtspunkte auf das vor ihm liegende ligurische Meer. Insbesondere an Winterabenden kann man hier grandiose Sonnenuntergänge erleben.

Die Kathedrale San Maurizio entstand zwischen 1781 und 1832 in klassizistischen Stil. Der Dom galt damals als Prestigebau und sollte dokumentieren, wo sich das religiöse und politische Zentrum der Riviera die Ponente befindet. Bischofssitz war Porto Maurizio allerdings niemals. Dies waren immer Ventimiglia und Albenga.

Die Loggia von Santa Chiara prägt von Westen gesehen das Ortsbild des Parasio. Zum Sonnenuntergang lädt sie viele zum flanieren ein. 

Die schönste Kirche Imperias ist San Pietro. Sie liegt unmittelbar nördlich der Loggia von Santa Chiara. Ihre Ursprünge gehen zurück ins Jahr 1400. Sie war die Kirche der Kaufleute. Heute hat sie innen und Außen ein barockes Erscheinungsbild. Beeindruckend sind die Fresken des Innenraums.

Hauptgeschäftsstraße ist die Via Cascone, die nördlich des Parasio als Einbahnstraße Porto Maurizio durchschneidet. Hier finden Sie viele kleine Geschäfte und Bars, wie die Bar Pepito. Hier trifft sich am Morgen und Mittags halb Porto. Tendeziell lebt Porto vor allem am Morgen, während sich am Abend das Leben nach Oneglia verschiebt. 

Borgo Marina

Das gilt im Sommer natürlich nicht für das Strand- und Hafenviertel Borgo Marina, östlich des Parasio. Hier finden sie westlich des neuen Yachthafens mondäne Strandbäder.

Der neue Yachthafen von Porto Maurizio war ein ehrgeiziges Projekt das vor allem auch von Claudio Scajola vorangetrieben wurde. Er solle einer der größen, modersten und vielleicht auch mondänsten Yachthäfen des Mittelmeeres werden. Nach einer Reihe von Skandalen und Bereicherungen stockte der weitere Ausbau und Endet vorerst im Mai 2014 mit der Insolvenz der Hafengesellschaft. Zwar ist der Hafen als solcher feriggestellt, es fehlt aber die Bebauung der künstlichen Landzunge mit Yachtclub, Geschäften und Restaurants. Die Baumängel sind heute ebenfalls nicht zu übersehen. 

Borgo Foce

Einer der schönsten Flecken von Imperia ist die Foce, wie dieser kleine Stadtteil in der direkten Fortsetzung der Via Cascone Richtung Westen unterhalb von Porto Maurizio heißt. Pittoreske kleine Häuser reihen sich seit an seit zu einer platzartigen Erweiterung, welche sich zum Meer hin öffnet. An der Foce findet man auch einige der besten lokalen von Porto Mauricio. Insbesondere im Winter und in den Übergangsmonaten in Frühjahr und Herbst ist die Foce ein sehr beliebter Ort, um zu verweilen. Sie kann perfekt in einen Spaziergang am Meer integriert werden. Neben den Lokalen gibt es auch viele Sitzbänke zum ausruhen und sich unterhalten.

Borgo Prino

Der westlichste Stadtteil von Imperia ist der Prino. Es ist eine anmutige Zeile von farbigen Fischhäusern. Hier kann man wunderbar flanieren. Gerade im Herbst, Winter und Frühjahr. Es gibt gute Restaurants - das "Sarri" mit Michelinstern - und passable Bars. Der schönen, überwiegend frei zugängliche Kiesstrand ist von Dolcedo gut zu erreichen. Gut ist auch der große Parkplatz ganz im Westen an der Mündung des Prino. Hier befindet sich auch eine beliebte Bar, das Torre, mit Blick auf einen Verteidigungsturm am Meer. 

Oneglia

Oneglia ist heute das etwas neuere, größere Zentrum der Stadt und der deutlich geschäftigere Teil Imperias.

Im Zentrum um die große Piazza Dante und die Hauptgeschäftsstraße Via Silvio Bonfante finden sich zahlreiche Geschäfte und Bars. Gerade an Regentagen ist dort reges Treiben, denn die gesamte Piazza Dante und Via Silvio Bonfante hat auf beiden Seiten überdachte Rundbogenpassagen. Oneglia hat sich in den vergangenen 15 Jahren sehr herausgeputzt, wurde deutlich schicker, die Geschäfte deutlich gehobener. Das gilt insbesondere für die Gassen nach Norden hin mit der Via Ospedaletti und der Via Vincenco Monti. Die Fußgängerzone setzt sich dann in der Via San Giovanni fort und führt bis zum Hafen von Oneglia, an der Hauptkirche Santa Giovanni Baptista  vorbei. 

Ein wunderbares Café an der Piazza San Giovanni links neben dem Kirchenportal ist die Bar San Giovanni. Her bekommt man excellente Cafekreationen, ausgezeichnete Brioches und Foccacce. Die Sitzplätze auf der Piazza San Giovanni sind natürlich erste Wahl bei Sonne. Auf der Rückseite des Gebäudes gibt es einen weiteren - schattigen - Freisitz. Aber auch drinnen ist es sehr nett. 

Links des Hauptportals findet sich ein ausgezeichnetes Geschäft für frische Pasta und gleich daneben ein sehr angenehmes Café mit einigen Tischen auf der Pizza, sowie weiteren Außentischen auf der dahinter gelegenen Gasse. Setzt man den Stadtbummel Richtung Hafen fort zu liegt links die Markthalle Oneglias, um die herum insbesondere am Samstagvormittag ein großer Wochenmarkt stattfindet. Der Hauptteil des Hafens ist nun in Sichtweite. Bis vor 15 Jahren war der Hafen von Oneglia vor allem Fischerei- und Industriehafen. Größtenteils war er sogar abgesperrt. Handelsschiffe legen im Hafen von Oneglia heute nur noch am westlichen Kai mit einigen großen Kränen an. Sein Charakter hat sich allerdings komplett gewandelt heute ist der vielmehr Yacht- und Fischereihafen. 

In jeder Stadt, in fast jedem Dorf Liguriens gibt es eine Straße oder einen Platz, der nach ihm benannt ist. Neben Christoph Kolumbus, der 15 Jahre vor ihm geboren wurde, ist Andrea Doria der mit Abstand bekannteste Ligurier. Er war Genueser Admiral und Fürst von Delphi, und obwohl er das Amt des Dogen nicht ausübte, war er der eigentliche Machthaber der Republik Genua.

Am 30. November 1466 wurde Andrea Doria in Oneglia geboren. Er war Spross der alten Genueser Adelsfamilie Doria, die schon seit Jahrhunderten Flottenführer hervorgebracht hatte.

Wo Andrea Doria selbst als Flottenführer anheuerte, ist kaum überschaubar. Erst kämpft er für seine Heimatstadt ging Frankreich dann verbündete sich Doria mit den Franzosen und stellte sich gegen die Truppen des Heiligen Römischen Reichs Dann arbeitete er für Kaiser Karl V. und noch 1550, also mit 84 Jahren befehligte Doria die Flotte gegen nordafrikanische Piraten, die Ligurien immer wieder überfallen hatten. Er starb 1560 wenige Tage vor seinem 94. Geburtstag und übertraf damit altersmäßig Kolumbus bei weiten, des nur auf 55 Jahre gebracht hatte.

In diesem Haus trafen sich am 20. Juni 1538 Papst Paul III. und Kaiser Karl V. zu einer längeren Unterredung.

Das Geburtshaus von Andrea Doria passiert man, wenn man von der Piazza San Giovanni zum Hafen läuft. Heute befindet sich unten im Haus die Gelateria Corte - ganz nebenbei Imperias beste Eisdiele.

Eine der bekanntesten Villen der Riviera, die Villa Bianca des Clown Grock, liegt oberhalb des Stadtzentrum von Oneglia. 

Der Hafen von Oneglia ist in einer gewissen Konkurrenz zum großen neuen Yachthafen von Porto Maurizio. In Oneglia liegen allerdings nur die wirklich großen Yachten, denn hier können Schiffe bis zu einer Länge von 160 m einfahren. Oneglia wäre also einer der wenigen Yachthäfen, die Abramowischs Megayacht Eclipse gerade noch aufnehmen könnte. Sie war zwar noch nicht im Hafen von Oneglia, dafür allerdings andere Yachten bis zu 140 m Länge. Die abendliche Kulisse der kleinen Fischerboote, der alten Häuserfront und der ihr gegenüberliegenden Superyachten bildet insbesondere am Abend eine Kulisse, die Sant Tropez in nichts nachsteht. Entlang des Hauptkai sind viele Restaurants, teilweise sehr gute wie das Restaurant Agrodolce. Im Ostteil des Hafens konzentiert sich die Fischerei mit zahlreichen kleinen Fischerbooten. In den letzten Jahren wurde der Fischereikai sehr schön gestaltet. Die kleinen Fischerboote in der alten Häuserfront und die modernen Superyachten stehen in einem angenehmen Spannungsverhältnis zueinander. Im westlichen Teil des Yachthafens an der Piazza dei Amicis befindet sich das sehr empfehlenswerte Feinkostgeschäft und Restaurant Gusto. Sie sollten mindestens einen Blick hineinwerfen. Zurück auf der Piazza Dante angekommen ist direkt rechts das Café Piccardo, das Erste Café am Platz, ganz im Stile Wiener Kaffeehäuser. Ihm gegenüber liegt das ehemalige Rathaus von Oneglia mit seinem hohen Turm. In den Eingangsbereich mit Treppenhaus sollte sie unbedingt einen Blick werfen.


Das Cafè Piccardo ist gerade an den Regentagen im Winter ein wunderbarer Platz. Sehr zu empfehlen ist die Sachertorte. Die gilt als wesentlich besser als das Wiener Original. 

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