Albenga

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Albenga hat einen zweigeteilten Ruf. Die einen hassen es und raten von einem Besuch dringend ab, die anderen lieben es und schwärmen überschwänglich davon.

Wenn man sich dem Zentrum von Albenga von der Autobahn her nähert, dann möchte man tatsächlich am liebsten gleich wieder umkehren. Das weite Tal von Albenga, in Ligurien eine Seltenheit, ist zu gepflastert mit hässlichen Gewerbegebieten, Wohnhäusern und leer stehenden Bauruinen. Es ist alles andere als einladend, aber irgendwie steht Albenga dabei leider für sehr viele italienische Städte deren Städteplanung seit den letzten 60 Jahren schlichtweg nicht existiert. Auffallend auf dem Weg ins Zentrum sind jedoch die sehr großen geradezu großzügigen Kreisverkehr die eine sehr viel größere Stadt vermuten als Albenga tatsächlich ist. Die Stadt hat derzeit knapp 24.000 Einwohner. Und das Innere der Kreisverkehre ist überraschend aufwendig gestaltet. Am Ende der Via Leonardo da Vinci ist linkerhand ein größerer Parkplatz welcher der Altstadt an der Piazza Torlario gegenüber liegt.

Erst hier wird man erkennen, dass Albenga ein schönes Zentrum besitzt und sich eigentlich nicht mal hinter Genua war verstecken muss, wenngleich natürlich in kleineren Ausmaßen. Wer sich in die von einer Mauer umschlossene Altstadt eintaucht, der liegt schnell der Faszination dieses alten Ortes, mit langer Geschichte. Unbedingt sollte man aber mit offenen Augen durch Albenga gehen, einfach mal ohne bestimmtes Ziel. Denn hinter jeder Ecke entdeckt man neues - gotische Fenster mit schlanken Steinsäulen, filigrane Ornamente in Hinterhöfen, grandiose Gewölbe. Einzigartig in der Region ist die Anzahl der Geschlechtertürmen die schlank und hoch in die Höhe ragen. Man kennt das aus anderen Regionen Italiens allen voran aus San Gimignano, nicht aber in Ligurien wo die Städte dicht gedrängt an Hügeln gebaut sind. Albenga wirkt dadurch eben alles andere wie eine typisch ligurischen Stadt. 

Die Geschlechtertürme findet man übrigens nördlich der Alpen auch in Regensburg, quasi Italiens nördlichste Stadt. Hier konkurrierten die mittelalterlichen Handelsgeschlechter um die repräsentativen Häuser. Und weil Platz knapp war baute man eben in die Höhen so gut es ging. Während in Regensburg die Geschlechter Türme heute deutlich in ihrer Höhe reduziert sind, stehen sie in Albenga weiterhin in ganzer Pracht. Insgesamt zehn Geschlechtertürme bilden die markante Silhouette Albengas mit über 60 m höchste ist der Torre del Commune, der um 1300 für eine adelige Familie gebaut wird. Gleich daneben erheben sich der Torre del Municipio und der Kirchturm der Kathedrale San Michele. Hier im Herzen der Altstadt an der Piazza San Michele stehen damit auf engsten Raum die markantesten Bauwerke der Stadt das bedeutendste Gebäude der Stadt. 

Das liegt aber schon an der Lage im weiten Flusstal. Das wird auch deutlich an den vorherrschenden Baumaterialien. Normalerweise entstehen ligurischen Städte durch vor Ort gewonnene Bruchsteinen an den Flanken der Berge. Durch die Lage in Flusstal herrschen in Albenga Ziegel vor, gebrannte Ton den sie im Flusstal eben vorfanden.

Die Kathedrale San Michele ist eine dreistufige Pfeilerbasilika und wurde weitgehend zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert erbaut. Für die Gläubigen hat sie eine außergewöhnliche Bedeutung. Denn ihre Fundamente ruhen auf den Resten einer frühchristlichen Bischofskirche aus dem fünften Jahrhundert in der bereits der erste und urkundlich erwähnte Bischof von Albenga die Messe hielt. Man sollte sich ruhig Zeit nehmen die Kathedrale von innen und außen genau zu betrachten. Denn man entdeckt dort einen erstaunlichen Reichtum an Formen und unterschiedlichen Stilen. Albenga war wohlhabend. Deshalb konnten die Bischöfe über Jahrhunderte an ihr ihrer Kirche bauen. Man sieht Reste der frühchristlichen Krypta, aus der Romanik die Rundarkaden, die achteckigen Eckpfeiler sowie die Fußböden. In der Gotik wurde die Kirche dann aufgestockt und erhielt Seitenschiffe und Kirchturm. Im 16. Jahrhundert kamen dann die barocken Elemente hinzu, etwa die Erhöhung des Hauptschiffes und der Umbau des Hauptportals.

Hinter der Kathedrale geduckt versteckt steht das älteste Sakralgebäude der Stadt und eines der bedeutendsten von ganz Ligurien. Taufkirche aus dem frühen fünften Jahrhundert. Das Fundament des Baptisteriums liegt heute ein wenig unter dem Niveau der heutigen Straßenpflasterung. Interessant ist der Grundriss denn außen zeigte sich unregelmäßig zehneckig, innen jedoch achteckig. Die Marmorsäulen im Innenraum sind mit korinthischen Kapitellen verziert. In der Mitte platziert ist das ebenfalls achteckige Taufbecken. Besonders aufsehenerregend sind die sehr gut erhaltenen byzantinischen Mosaiken aus dem späten fünften Jahrhundert. Sie sind in der Altarnische des Baptisteriums zu finden.

Auch die beiden Museen, das Museo Navale Romano und das Civico Museo Ingauno befinden sich auf der Piazza San Michele. 

Das Tal von Albenga hat für Liguriens Verhältnisse eine endlose Weite. Deshalb wundert es nicht, dass Albenga schon in vorchristlicher Zeit bevölkert war. Unter römischer Vorherrschaft aber auch im Mittelalter erlebte es glanzvolle Zeiten. Schon vor Christus siedelten Angehörigen des mächtigen ligurischen Volksstammes der Inga uni am Ufer des Centa-Flusses. Ihre Fluchtburgen klebten an den Hügeln der Umgebung. Im dritten Jahrhundert vor Christus als Karthago und Rom noch um die Vorherrschaft im westlichen Mittelmeerraum kämpften, verbündeten sich die Ingauni  mit dem punischen Heer gegen Rom. Im zweiten punischen Krieg fand der jüngste Bruder Hannibals als bei den Ingauni zuflucht. Die letztendlich siegreichen Römer gründeten nach der Unterwerfung der ligurischen Widersacher ihrerseits eine Stadt an der Mündung der Centa und entwickelte sich schnell zu einer der größten römischen Niederlassungen am Rivierabogen.

Ab dem fünften Jahrhundert entstand ein völlig neues Albenga das nun auch Bischofssitz war. Ende des elften Jahrhunderts nahm Albenga mit einer eigenen Flotte am ersten Kreuzzug ins Heilige Land teil. Albenga war zwischenzeitlich durch Handel sehr gewachsen und durch die Teilnahme am Kreuzzug gelangte sie auch zu einer relativen politischen Unabhängigkeit. Auch Genua musste diesen Aufschwung widerwillig dulden. Den Konflikt zwischen Albenga und Genua wurde auch dadurch geschürt dass sich Albenga auf die Seite Kaiser Friedrichs II. geschlagen hatte. Doch nach dessen Tod wurde Albenga von der großen Rivalen gezwungen mit ihr ein Bündnis einzugehen. Die Geschlechtertürme und die ansonsten ebenfalls rege Bautätigkeit im 13. Jahrhundert zeugen zwar von einem ausgeprägten Selbstbewusstsein der Bürgerschaft, doch alles geschah unter der Vorherrschaft Genuas. Genua hielt Albenga allerdings über Jahrhunderte bewusst klein und so geriet das einst glanzvolle Albenga langsam in Vergessenheit.

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