Dolcedo-Ripalta: Vom Rücksichtnahmegebot und Rücksichtslosigkeit

Alte Häuser brauchen Pflege und das gilt auch für die Häuser des teilweise frühmittelalterlichen Borgo Dolcedo-Ripalta hoch über dem Prinotal. An den Häusern muss immer wieder gearbeitet werden. Das gilt auch für das "Bauernhaus in Ripalta di Dolcedo", wie es bei Engel & Völkers genannt wird. Insofern ist ein großes Verständnis für alle Arten von Bauarbeiten im Verhältnis der Eigentümer untereinander in Ripalta selbstverständlich. Gleichzeitig erfordern Baumaßnahmen aber in besonderem Maße eine gegenseitige Rücksichtnahme im eng bebauten Ripalta mit seinen steinernen Trutzburgen. Das Rücksichtnahmegebot bedeutet, dass größere Bauarbeiten mit länger anhaltendem Lärm und Staubentwicklungen nur in der Zeit zwischen November und Ende März eines Jahres stattfinden, wenn sich in Ripalta fast ausschließlich Eigentümer aufhalten, die selbst Sanierungsmaßnahmen vornehmen. Man ist quasi "vereint in Lärm und Staub".

Ab Ostern allerdings kommen die Eigentümer und Feriengäste, um im mittelalterlichen Borgo Ruhe und Entspannung zu suchen und gerade wegen dieser außerordentlichen Ruhe kommen sie nach Ripalta. Das ist aber auch das Rückgrat für den Erhalt der alten Substanz. Feriengäste sorgen gleichzeitig für nicht unerhebliche italienische Steuereinnahmen, in der Sommerzeit für Beschäftigung in den Häusern, in den vielen Restaurants, Geschäften und Strandbädern. Und zur Winterzeit fliessen erhebliche Summen wieder in Sanierungsmaßnahmen durch italienische Kleinunternehmer. 

Würde aber jeder Hauseigentümer in diesem ligurischen Borgo nach seinem Gutdünken eine Baustelle im Frühling, Sommer und Frühherbst eröffnen, so hätte man ganzjährig eine Lärm- und Staubkulisse. Ein nicht hinzunehmender Umstand.

Umso ärgerlicher ist es, wenn man zu Beginn der Pfingstferien und am Ende einer langen Pandemiezeit feststellt, dass mitten im Ort eine "Großbaustelle" besteht, die Monate zuvor als Dacherneuerung von ein bis maximal zwei Wochen angekündigt wurde. Tatsächlich dauert sie zum 03. Juni bereits vier Wochen und ist erst zur Hälfte vollzogen. Eine massive Lärmbelästigung, Staubentwicklung und das wiederkehrende Rattern eines Kettenfahrzeuges durch die engen Gassen von Ripalta. Gleichzeitig betonen die Bauherren sich an italienische Arbeitszeitgesetze zu halten und keinen Aspest freizusetzen. Darum geht es aber nicht, sondern, um die gestörte Ruhe zur typischen Urlaubszeit. Berechtigterweise gehen deshalb Feriengäste und Nachbarn auf die Barrikaden. Reaktion der Bauherren: Pech gehabt. Nicht unsere Sache. 

Seit Jahren ist das betreffende Dach wohl mehr als nur marginal undicht. Zeit genug hätte man gehabt, um es zu erneuern. Nun aber will das Eigentümerpaar ihr "Bauernhaus in Ripalta di Dolcedo" überstürzt und rücksichtslos gegenüber den Nachbarn zu einer reichlich unpassenden Zeit sanieren, um es besser und vor allem zu einem höheren Preis verkaufen zu können. Vor Ort sind die Eigentümer aber nicht, sondern im heimatlichen Hamburg. Lärm und Staub überlassen sie den Anderen. Nach über 35 Jahren als Nachbarn ist es leider nicht die passende Art sich aus Ripalta zu verabschieden. Positiv dürfte sich das abschließende Treiben der Alteigentümer auf mögliche Nachfolger nicht abfärben. 

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Johanna Obermüller. Malerin & Bildhauerin

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